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Justin - eine Analyse
Wer den kleinen Justin suchte, wurde meist sehr schnell fündig. „Arschloch!
Arschloch!“ Schon von weitem hörte man die direkte Ansprache des Justin Dünsch.
„Arschloch! Arschloch!“ Arschloch, das konnte alles sein: Vater, Mutter, Bruder
oder auch mal seine vollgeschissene Windel. Die ganze Welt, ein einziger Arsch.
Was andere erst allmählich nach ihrer Einschulung lernen und
verinnerlichen, beherrschte Justin schon als kleiner Hosenscheißer: die Dinge
auf den Punkt bringen und in die richtigen Worte fassen, die da wären: „Arschloch,
Arschloch“ oder – je nach Situation, wenn er die Form wahren wollte: „Sie
Arschloch“. Für Justins Eltern brachen also beschissene Zeiten an, sie gehörten
nicht zu denjenigen, die ihrem Stammhalter jedes unanständige Wort erklären, in der Hoffnung, ihm die
Scheiße auszutreiben. Im Gegenteil, auf die Arschloch-Arschloch-Rufe reagierten
Justins Eltern meist mit einem entnervten: „Mann, lass den Scheiß!“ Justin
entwickelte sich so ganz ungehindert zum Spezialisten in Sachen Arsch. Einer
großartigen Zukunft als Arschloch schien nichts mehr im Wege zu stehen. Warum
Justin dann doch nicht in die Annalen der Geschichte einging und es dann doch
eher scheiße für ihn lief, hatte vielschichtige Gründe, die im folgenden analysiert
werden sollen.
In der Schule bekam Justin seinen Arsch nicht hoch, dafür fiel er durch
eine gesunde Portion Selbstbewusstsein auf. Wenn die anderen Schüler brav
anstimmten „Guten Morgen, Herr Lehrer“, kam von Justin ein unnachahmliches:
„Arschloch! Arschloch!“. Dies brachte ihm den einen oder anderen
Klassenbucheintrag ein. „Justin Dünsch bezeichnet den Lehrkörper als Arschloch“.
Irgendwann tat ihm das leid, und aus tiefstem Herzen entfleuchte ihm: „Ich
wusste ja nicht, dass Sie kein
Arschloch sind.“ Der Lehrer fühlte sich verarscht. Und die Situation war, um es
mit Justin zu sagen, wirklich ziemlich
scheiße. Justins Deutschlehrerin, Jennifer von Hinten, brachte die Lage einmal
treffend auf den Punkt, indem sie vor ihrer Klasse resümierte: „Justin
beherrscht das Spektrum vom Anus bis zum Rektum.“
Justin war nicht sonderlich beliebt bei seinen Mitschülern. Die hatten
Schiss. Und die permanenten Arschloch-Rufe nervten irgendwann.. aber was soll
man schon von jemandem erwarten, der Dünsch heißt?!
Ein weiteres Problem war die Tatsache, dass sich Justin mit der Zeit
prächtig entwickelte. So erweiterte er rasant sein Vokabular… ständig kamen
neue Wörter hinzu… „Wichser! Hurensohn!“ Vor allem der Hurensohn hatte es ihm angetan. Immerhin waren Arschloch, Wichser
und Hurensohn nun seine treuen Begleiter beim Besuch des Fußballstadions. Und
hier fand das niemand kacke. Wenn Justin einen guten Tag hatte, kam auch gerne
mal das Fuck hinzu! Kurzum: Justin war inzwischen ganz schön abgefuckt.
Aber Justin Dünsch war nicht dumm. Ganz im Gegenteil. Er war so ein
richtiger Klugscheißer. Irgendwann hat er sogar angefangen mit Po-esie.
Unvergessen ist seine Schöpfung: „Ich flüster dir was Barsches in das Loch
deines Arsches“, womit er einerseits die Dichterlesung in Hinterzarten gewann,
andererseits jedoch von der Hauptschule flog. Ganz schöner Shit, zumal es ihm
nicht gelang, wenigstens im Internet einen Hauptschulabschluss runterzuladen.
Justin drohte jetzt richtig abzukacken, ihm drohte ein Schicksal als Analphabet.
Doch ganz so schlimm kam es dann doch nicht.
Justin war jung, und wenn er nicht gerade „Arschloch, Arschloch“ rief,
hielt er nach dem anderen Geschlecht Ausschau! Sein vielschichtiger Wortschatz,
der zunehmend auch intensives Interesse an der Weiblichkeit offenbarte, was zum
Ausdruck kam durch zärtliche Schmeicheleien wie „Schlampe“, „Bitch“, „Hure“, führte
ihn unausweichlich zu Mandy. Das war die mit dem Arschgeweih. Und auch ihr Job
als Masseuse, nicht zu verwechseln mit Masseurin, war ziemlich für den Arsch. Wenn
Justin und Mandy in Urlaub fuhren, dann ging es gen Italien, und sie waren am
Po. Aber Mandy redete gern hintenrum und laberte eh nur Scheiße.
Mit 18 Jahren hatte sich bei Justin auch der Berufswunsch verfestigt. Da
konnte es nur einen geben: Das war der Arschitekt. Doch ohne Abitur hatte er
die Arschkarte.
Eines Tages hat sich Justin Dünsch dann einen Fremdwörterduden gekauft.
Während er wie gewohnt „Arschloch, Arschloch“ rief, blieb er ganz zufällig beim
Buchstaben „K“ hängen und ganz zufällig beim Eintrag Koprolalie: „krankhafte
Neigung zum Aussprechen unanständiger, obszöner Wörter, meist aus dem analen
Bereich.“ Als Justin das las, war er
ganz in seinem Exkrement, sorry: Element, und dachte sich: scheiß Lexikon! Die
Koprophagie fand er übrigens scheiße.
Was das ist, könnt ihr ja selbst mal nachschlagen. Ist Geschmackssache.
Wahrscheinlich.
Ihr fragt euch jetzt bestimmt noch, was Justin eigentlich heute macht.
So viel sei verraten: Er hat es geschafft, aus Scheiße Gold zu machen. Er veranstaltet
sogar seinen eigenen Poetry Slam: „Die vier Buchstaben“. In Darmstadt. Das
Problem: Im Publikum sitzen nur
Arschlöcher. Und es kommt nix dabei raus. So eine Scheiße.
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